Ausführliche Berichte zur Eröffnung vom Kevelaerer Blatt

Kunst Und Kultur Atelier Kevelaer

Frederike Wouters eröffnet lokales Standbein für weltweites Wirken

In Kevelaer gibt es wieder einen neuen Anlaufpunkt für Kunst- und Kulturinteressierte. Die in Kevelaer aufgewachsene Frederike Wouters, von ihren zahlreichen Freunden und Künstlerkollegen nur Fredda genannt, hat am Johannes-Stalenus-Platz 8 mit „Kunst Und Kultur Atelier Kevelaer“ (KUK) ihr lokales Standbein offiziell und im Beisein einer großen Gästezahl eröffnet. Die Räume hat sie zusammen mit ihrem Partner Roberto Carlos Trevino Rodriguez aus Mexiko seit April gemietet, und vielen Kevelaerern sind die großformatigen Gesichter im Fenster sicher schon aufgefallen.

Die Winnekendonker Künstlerin ist sehr vielseitig und arbeitet auf zahlreichen Gebieten. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Pferdewirtin, es verschlug sie zu einem Job nach Namibia auf eine Pferderanch, sie studierte in den Niederlanden sowie in Spanien Marketing und betätigte sich immer wieder als Weltklasse-Straßenmalerin in vielen Ländern.

„Sollten sich einige gewundert haben, warum hier seit April, wenn auch nur augenscheinlich, nichts geschehen ist, lag es daran, dass erst vergangene Woche unser letzter Straßenmalauftrag für diese Saison beendet war“, erklärt Frederike Wouters. Sie möchte KUK in Zukunft in erster Linie als Arbeits-, Seminar- und Ausstellungsraum nutzen. Mit Gruppenworkshops zur Airbrush- und Pastellmalerei sollen kreative Anreize gegeben werden, um Menschen zu motivieren, sich mit Kunst zu beschäftigen. Auch wenn noch vieles offen und frei gestaltbar ist, so hat Frederike Wouters klare Vorstellungen, wie dieser neue Treffpunkt mit Leben gefüllt werden kann. „Wechselnde Kunstausstellungen, Porträtmalerei, Workshops, Wandmalerei, Dokumentationen der 3-D-Straßenmalerei, gemütliche Abende mit Freunden bei Unterhaltung und Musik sollen etwas für den Kunst- und Kultursektor in Kevelaer tun, denn Kunst, Kultur und Kreativität tun einer Stadt und ihren Bewohnern gut“, so Wouters, die nicht nur künstlerisch tätig ist, sondern auch durch ihr Eventmanagement für Straßenmaler-Veranstaltungen und Kulturprojekte viel Erfahrung aus diesem Bereich mitbringt.

Die Inhaberin stellte dann ihren Partner im KUK, Roberto Carlos Trevino Rodriguez aus Monterrey, Mexiko, vor. Der autodidaktische Künstler verdiente sich mit seinen Arbeiten das Grafikstudium und wird wegen seiner erstklassigen Arbeiten bei Straßenmal-Veranstaltungen, ebenso wie Frederike Wouters, zu Streetart-Events in der ganzen Welt eingeladen. Die Veranstalter in Großbritannien, Deutschland, Italien, Frankreich, den Niederlanden und in den USA wissen seine Qualität der Arbeiten zu schätzen und freuen sich über seine Teilnahme.

Seine Malerei ist beeinflusst durch seine Bewunderung für die Werke von Chuck Close, Gottfried Hellnwein, Andy Warhol und Salvador Dalí. Seine besondere Serie „Historias communes“, die nicht nur künstlerisch, sondern auch kulturell besonders wertvoll ist, zeigt sein Können. In hyperrealistischer Airbrush-Technik porträtiert er Menschen aus seinem persönlichen Umfeld und erzählt gleichzeitig ihre Lebensgeschichte auf neben den Porträts angebrachten Informationstafeln. Durch dieses Close-up wird bewusst eine Atmosphäre der Vertraulichkeit zwischen Betrachter und der abgebildeten Person geschaffen. Um dies auf eine interkulturelle Ebene zu setzen, hängen Bilder von Kevelaerern in Monterrey und im Gegenzug Bilder von Mexikanern hier in Kevelaer – eine Art kulturelles Austauschprogramm, das fremde Menschen einander näherbringt.

Dass diese Intension reale Früchte tragen kann, zeigt eine Begegnung bei der Eröffnung des KUK. Zwei Besucher kamen sich entgegen und der eine begrüßte den anderen wie einen alten Bekannten, ohne sich genau zu erinnern, woher er ihn kannte. Wie sich bei einem kurzen Gespräch zeigte, konnten sie sich zuvor auch nie begegnet sein. Dann stellte sich heraus, dass vor dem Umzug nach Mexiko das Porträt des einen lange im Fenster des KUK gestanden und der andere häufig im Vorbeigehen das Bild gesehen hatte. Die übergroßen Gesichter kommen so nahe an den Betrachter heran, dass sie sich im Unterbewusstsein festsetzen.

Im Rahmenprogramm sorgten bei einer Jamsession Daniel Wouters an der E-Gitarre und Christian Piepers am Santur nicht nur für orientalische Klänge, sondern auch für gute Unterhaltung, bevor Frederike Wouters ihren selbst produzierten und selbst geschnittenen Videovortrag: „3-D-Straßenmalerei – Populäre Kunsterlebnisse im urbanen und virtuellen Raum“ startete. Die Gäste konnten einen Einblick in die Arbeiten des letzten Jahres erhalten. So waren die Fertigstellung von fünf XXL 3-D-Bildern im Phoenix-Center Hamburg-Harburg sowie die Planung und Verwirklichung der WoodArt Gallery Krefeld-Hüls, die immer noch zum Erkunden einlädt, die Höhepunkte des Jahres 2015.

Es wurde aber auch deutlich, dass das Schaffen der künstlerischen Inhaber nicht hoch genug einzuschätzen ist. Immer wieder sind Aktionen mit sozialem Engagement verbunden. Zusammen mit den Freunden aus der Straßenmal-Community verschönern sie immer wieder Schulen, Kindergärten oder Begegnungsstätten und machen so die Welt ein wenig lebenswerter.

KUK ist eröffnet und verspricht für die Zukunft viele spannende Aktionen. Frederike Wouters und Roberto Carlos Trevino Rodriguez haben den Kevelaerern einen Ort für künstlerisches und kulturelles Erleben bereitet. Jetzt liegt es an den Menschen in der Umgebung, diese Attraktion zu nutzen. Das KB wünscht viel Erfolg.

JVDH

 

Pastellkreide verzeiht fast alles

Straßenmal- und Pastellkreideworkshop im KUK Atelier Kevelaer

Teilnehmer im Alter von 3 bis 57 Jahren trafen sich in den Räumen von „Kunst Und Kultur Atelier Kevelaer“, um unter der Anleitung von Inhaberin Frederike Wouters, der exzellenten und in der deutschen Szene wohl bekanntesten 3-D-Straßenmalerin, den Umgang mit Pastellkreide zu erlernen oder ihre Techniken zu verbessern. Pastellkreide verzeiht beim Malen fast alles und ist somit für Anfänger und Fortgeschrittene ein sehr schöner künstlerischer Werkstoff.

Die Farben werden in staubigen Schichten auf Straßenbelag, Wände oder auf spezielles Straßenpapier aufgetragen und mit den Fingern oder speziellen Pinseln verwischt. Pastellfarben lassen sich sehr gut miteinander mischen. So ist es möglich, zarte Farbübergänge und selbst gemischte Farbnuancen aufzutragen. Mehrere Farbaufträge werden zart übereinandergelegt oder es werden durch Vermischung neue Farbtöne geschaffen oder Schatten ins Bild gearbeitet, um einen plastischen Effekt zu erzielen.

Um die Haftung der Pastellkreidepigmente zu gewährleisten, ist es erforderlich, die Bilder nach Fertigstellung mit einem Fixiermittel zu behandeln oder hinter Glas zu setzen.

Neben Kevelaerer Teilnehmern kamen zwei Malerinnen, Heike Tamm und Elke Schott, aus Bremen sowie Tatjana Urbiks aus Drestedt bei Hamburg, und alle hatten automatisch das Arbeitsutensil mitgebracht, das vorwiegend benötigt wird und das Arbeiten mit Pastellkreiden zu einem besonderen Erlebnis macht – ihre Finger. Nicht nur die jüngeren Teilnehmer, die Geschwister Wouters, Robin, 6 Jahre, und Nico, 3 Jahre alt, Mutter Betty und Tochter Josy Lindermann, 13 Jahre alt, sowie deren Freundin Joana, 11 Jahre, hatten zum Abschluss des Kurses die Finger fast so farbig wie die Bilder. Aber keine Sorge: Mit etwas Wasser und Seife sind sie schnell wieder in den Originalzustand zu bringen.

Die Werke, die in knapp fünf Stunden entstanden, konnten sich sehen lassen. Auf Straßenpapier in der Größe von etwa einem Quadratmeter kam einem durch die plastische Arbeitsweise „Hamlet mit Totenkopf“ entgegen, ein „Golden Retriever“ schaute freundlich dem Betrachter entgegen oder ein „Marienkäfer“ leuchtete mit seinen Punkten. Aber auch die sich auf einem grünen Blatt „sonnende Schnecke“, fröhlich „spielende Delfine“, der „Elefant“ aus der „Sendung mit der Maus“, ein riesiger „Seestern“ oder eine „Meerjungfrau“, die sich in einem Fischernetz verfangen hatte, waren so gut gelungen, dass sie gleich zum Abschluss im KUK ausgestellt wurden.

Die freundliche, geduldige und fachkundige Anleitung durch Frederike Wouters und die gemeinschaftliche Arbeit im Workshop machten Appetit auf mehr und man kann vermuten, dass die nächsten Workshops im KUK Atelier Kevelaer sicher schnell ausgebucht sein werden.

JVDH