KUK Atelier Kevelaer – Die Eröffnung

Am 31. Oktober 2015 haben wir und das KUK Atelier einen schönen, geselligen und sehr stimmungsvollen ersten Eröffnungstag gehabt. Für alle, die nicht dabei sein konnten gibt es hier ein paar Informationen zur Veranstaltung und zum Konzept:

Seit April haben mein Partner Roberto Carlos Trevino Rodriguez und ich diesen Geschäftsraum am Johannes-Stalenus Platz Nr 8 gemietet, um uns hier einen Arbeits- Seminar- und Ausstellungsraum im Zentrum von Kevelaer zu schaffen.

Warum Kevelaer? Was verbindet uns mit Kevelaer?

Ich bin in Winnekendonk aufgewachsen und habe in Kevelaer das Gymnasium besucht. Nach meinem Abitur verschlug es mich zwar für eine Pferdewirtausbildung nach Uedem-Keppeln, danach für einen Pferdejob nach Namibia und für ein Marketing Studium in die Niederlande und nach Spanien, aber letztlich bin ich dann doch wieder hier in Kevelaer gelandet, weil ich mich hier einfach sehr wohl fühle.

Und Roberto? Ein Mexikaner aus Monterrey in Kevelaer? Warum?

Roberto ist Autodidaktischer Künstler. Das nicht, weil er es unbedingt wollte, sondern viel mehr, weil ihm und seinen Eltern das Geld fehlte damit er sein Grafikdesignstudium abschließen konnte, das er begonnen hatte. Nichtsdestotrotz blieb er aber am Ball, entwickelte seine kreativen Fähigkeiten weiter und verdiente seinen Lebensunterhalt mit Zeichnungen, Öl- und Acrylmalerei, Wandmalerei und dem Unterrichten in der Airbrush-Technik. Seit 2004 malte Roberto jedes Jahr beim Straßenmalfestival Bella Via in Monterrey Gemälde auf das Straßenpflaster. Seine Erfolge in der Straßenmalerei ließen Roberto über die Mexikanischen Grenzen hinweg nach Großbritannien, Deutschland, Italien, Frankreich, in die Niederlande und in die USA reisen und an verschiedenen Streetartevents teilnehmen zu denen er genau wie ich auch eingeladen wurde.

Wir lernten uns beim Straßenmalen in Wilhelmshaven kennen und touren heute gemeinsam für mein Unternehmen FreddArt Streetpainting durch die Weltgeschichte, werden als 3D Straßenmaler von Städten oder Einkaufcentren gebucht, organisieren StreetArtevents und sind vieler Orts ein echter Publikumsmagnet. Erst Mitte Oktober war unser letzter Straßenmalauftrag für diese Saison bei einem StreetArt Festival in Almere in den Niederlanden. Unsere lange Abwesenheit im Sommer war dann also auch der Grund, warum sich die Eröffnung seit April bis Ende Oktober in einem weiten Spannungsbogen hingezogen hat. Nun können wir uns aber endlich ganz in Ruhe dem KUK-Atelier hier in Kevelaer widmen.

Ein breites Wirkungsspektrum

Wir dachten uns, dass wir zur Eröffnung einfach mal einen Einblick in unser sehr breites Wirkungsspektrum ermöglichen. Die Eröffnungsausstellung „KUK Spektrum“ umfasste eine Fotodokumentation unserer 3D Straßenmalarbeiten die dieses Jahr ganz besonders groß und beeindruckend waren. Die Videopräsentation „3-D-Straßenmalerei – Populäre Kunsterlebnisse im urbanen und virtuellen Raum“ erklärte die Technik und die verschiedenen neuen Wirkungsfelder der 3D Straßenmalerei und stellte einige meiner Eventprojekte vor. Außerdem zeigten wir an dem Abend die Ergebnisse meines morgendlichen Straßenmalworkshops mit 10 Teilnehmern zwischen 3 und 57 Jahren, die wie ich finde alle stolz auf sich und ihre Arbeiten sein können.

Für musikalische Unterhaltung sorgten Daniel Wouters an der E-Gitarre und Christian Piepers am orientalischen Santur.

Für die ausgestellte Bilderserie „Historias Communes- Gewöhnliche Geschichten“ porträtierte Roberto Menschen aus seinem persönlichen Umfeld in Monterrey Mexiko und erzählte gleichzeitig deren Lebensgeschichten, die auf einer Infotafel neben den Portraits mit ausgestellt wurden.

Porträtiert werden Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Kollegen, Menschen, denen er begegnet ist und die ihn jeder für sich mit ihren Geschichten ein Stück auf seinem Lebensweg begleiten oder begleitet haben. Hier in Deutschland sehen wir Portraits von Mexikanern. In Mexiko hingegen stellt er Portraits von unseren Freunden, Bekannten und Verwandten aus Deutschland aus. Es ist wie eine Art Kulturelles Austauschprogramm. Die Personen werden immer in Übergröße und damit sehr nah wiedergegeben. Durch dieses Close-up wird ganz bewusst eine Atmosphäre der Vertrautheit zwischen dem Betrachter und der abgebildeten Person geschaffen. Eine Vertrautheit die den Weg frei macht für einen emotionalen und kulturellen Austausch.

Malstiel und Technik

Robertos Malerei ist beeinflusst durch seine Bewunderung für Werke von Chuck Close, Gottfried Hellnwein, Andy Warhol und Salvador Dali. Die Großformatigen Öl- und Airbrushgemälde zeigen seinen persönlichen Stil: Eine Mischung aus Hyperrealismus und Pop Art die manchmal einen leicht kritischen Humor zeigen. Die vorherrschende Technik ist die hyperrealistische Airbrushtechnik, mit der er die abgebildeten Personen monochromatisch das heißt mit nur einer Farbe malt, die er auf einen eintönigen Hintergrund aufträgt. Das erstaunliche an seiner Technik ist, dass jeder einzelne Strich oder Punkt exakt aufgetragen werden muss. Wenn einmal zu viel Farbe aufgetragen ist, kann man es nicht mehr korrigieren. Vermalen und Übermalen ist also nicht möglich. Der Farbton, den er für die jeweiligen Personen wählt zeigt seine persönliche Farbassoziation zu der Persönlichkeit und ihrer Lebendgeschichte.

Spiegel der mexikanischen Gesellschaft

Die Motive sind subtil, friedvoll und sanft und formen einen Kontrast zu dem Lärm und den Gefahren denen Roberto und die Menschen in seiner Heimatstadt Monterrey täglich ausgesetzt war.

Eine Gesellschaft die von Korruption, Unsicherheit und dem Drogenkrieg geprägt ist. Eine Gesellschaft, in der man weder der Polizei noch der Regierung vertrauen kann. Eine Gesellschaft in der es deshalb umso wichtiger ist, dass man Bekannte, Nachbarn, Freunde und Verwandte hat, denen man vertrauen kann. Es sind diese Persönlichkeiten und ihre Geschichten, die Roberto in Monterrey begleiten ihn berühren und ihn in seinem Denken beeinflussen. Mit der Serie „Historias communes“ die wir hier sehen möchte er ihre Geschichten weitererzählen.

Es sind manchmal sehr schockierende Geschichten über schwere Schicksalsschläge, überraschende Lebenswendungen, manchmal auch komische Geschichten, bewundernswerte Geschichten und hoffnungsvolle Geschichten. Vor allem aber sind es sehr typische Geschichten, die für einen Mexikaner aus Monterrey ganz gewöhnlich sind, für einen Europäer hingegen, und da kann ich für mich sprechen, eine ganz andere Realität zeigt, die man hierzulande nicht gewöhnt ist. Ich habe mehrere Monate dort mit ihm gelebt und fand es sehr beklemmend den vielen Gefahren und Risiken dort ausgesetzt zu sein, schlimme und ungerechte Geschichten zu hören und mich nicht frei in den Straßen bewegen zu können. Was mir dabei sehr auffiel ist diese Machtlosigkeit mit der die Mexikaner dem ganzen Chaos gegenüberstehen. Was kann man machen, wenn das einfache Volk unterdrückt wird, Drogenkartelle Waffen und Geld das Land regieren und jeder Widerstand blutig ausgemerzt wird?

Diese Frage lasse ich jetzt einfach mal im Raum stehen und wende mich der Zukunft und der Vision für das KUK Atelier zu.

Zukunftsvision

Das KUK soll in erster Linie als Arbeits-, Seminar- und Ausstellungsraum von uns genutzt werden.

Gruppenworkshops zur Airbrushmalerei und Pastellmalerei sollen kreative Anreize geben und motivieren sich mit Kunst zu beschäftigen und sich weiterzuentwickeln.

Das KUK soll auch ein Treffpunkt sein, für so manchen gemütlichen Tag oder Abend mit Freunden und Bekannten. Ich mag es sehr mit Menschen zusammen zu sein, sich zu unterhalten oder gemeinsam Musik zu machen. Ich erhoffe mir dadurch viele neue Kontakte neue Ideen und Möglichkeiten. Solche Treffen werden wahrscheinlich ganz spontan entstehen – im Anschluss an einen Workshop oder an einem beliebigen Wochenende. Über die Internet Seite vom KUK ( www.kuk-atelier.de) und die sozialen Medien würden wir hierzu spontan aufrufen und einladen können.

Es ist alles noch sehr offen und frei gestaltbar – wir lassen uns drauf ein und hoffen durch unsere Arbeit etwas für den Kunst- und Kultursektor hier in Kevelaer tun zu können, denn Kunst, Kultur und Kreativität tut einer Stadt und ihren Bewohnern gut.

Frederike alias Fredda Wouters